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Neue Wertschöpfungsarchitekturen durch Elektromobilität
Neue Wertschöpfungsarchitekturen durch ElektromobilitätKarten neu gemischtDer Wandlungsprozess in eine elektromobile Zukunft kommt in Schwung. Hybridfahrzeuge befinden sich bereits an der Schwelle zum Massenmarkt. Die heute noch weitgehend von Nischenangeboten dominierte Produktpalette an rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen wird in den nächsten fünf Jahren um mehr als zwei Dutzend Großserienmodelle der großen Automobilhersteller bereichert. Die Industrienationen liefern sich derweil mit Milliardensubventionen einen Wettlauf um die Technologie- und Innovationsführerschaft. Prof. Dr. Uwe Götze und Marco Rehme beleuchten Fassetten und Perspektiven des Wandels aus Sicht der Wertschöpfungsketten und ihrer Akteure. In einem Zeitraum von nur etwa 15 Jahren haben Internet und Mobilfunk die gesamte Kommunikationswelt und damit auch das Wirtschaftsleben revolutioniert. Wie wird wohl die Welt der Mobilität in 10 oder 20 Jahren aussehen? Fahren wir mit dem eigenen Plug-In-Hybrid oder Brennstoffzellen- Auto zur Arbeit, nutzen wir bestehende oder neue Formen des Carsharing, um in wirtschaftlicher Weise mobil zu bleiben, oder werden Distanzen vorzugsweise intermodal, unter Nutzung verschiedener Verkehrsmittel, zurückgelegt? Ob und wie sich die Elektromobilität durchsetzt und ob das von der Bundesregierung gesetzte Ziel von 1 Mio. E-Fahrzeugen im Jahr 2020 erreicht wird, lässt sich nicht seriös prognostizieren. Absehbar ist jedoch eine weit reichende Neustrukturierung der heute zur Deckung des Mobilitätsbedürfnisses dienenden Wertschöpfungsketten. Der Wandel der Wertschöpfungsarchitektur Wenn wir einen kurzen Blick auf die heutige Wertschöpfungsarchitektur der Mobilität werfen, stellen wir fest, dass diese maßgeblich vom Besitz durch einen Verbrennungsmotor angetriebener Pkw geprägt ist. Darüber hinaus werden Mobilitätsdienstleistungen in Form des öffentlichen Verkehrs, von Taxibeförderungen, Autovermietungen etc. in Anspruch genommen. Die Produktion entsprechender Fahrzeuge erfolgt in Wertschöpfungsnetzwerken, die aus einem Automobilhersteller, seinen Zulieferern, Entwicklungsdienstleistern und Auftragsfertigern bestehen. Die Versorgung der Kraftfahrzeuge mit Energie geschieht durch die Wertschöpfungskette der Mineralölindustrie und die Tankstelleninfrastruktur als Schnittstelle. IKT-Netze stellen ergänzende Funktionalitäten wie Rundfunk, Navigation und Telefonie bereit. Welche Veränderungen bringt nun ein Wandel hin zur Elektromobilität mit sich?
Der Ersatz der Verbrennungs- durch Elektromotoren verändert zunächst die Wertschöpfungsketten der Fahrzeugindustrie, letztendlich aber auch die gesamte Wertschöpfungsarchitektur der Mobilität (Abb. 1). Weil bei der Fahrzeugkonstruktion vielfach hydraulische und mechanische Wirkprinzipien durch elektrische ersetzt werden, ändern sich neben dem Antriebsaggregat zahlreiche weitere Fahrzeugsysteme, -module, die zugehörigen Herausforderungen und Potenziale am Beispiel der Energieversorger Welche konkreten Herausforderungen und Potenziale sind nun mit der Elektromobilität für Marktakteure verbunden? Das soll exemplarisch aus Sicht von Energieversorgern verdeutlicht werden. Relevant sind für diese insbesondere drei Themenbereiche:
- die wirtschaftliche und nachhaltige Befriedigung eigener Mobilitätsbedürfnisse, Als Betreiber eigener Fahrzeugflotten stehen kommunale Versorgungunternehmen wie Stadtwerke vor der Herausforderung, ihren Fuhrpark im Hinblick auf schwindende Ölreserven und steigende Kraftstoffpreise weiterhin wirtschaftlich und nachhaltig zu betreiben. Mit einem Bewegungsprofil aus sehr vielen, aber eher kurzen Strecken in einem begrenzten Versorgungsgebiet ist ihr Fuhrpark für den Einsatz von E-Fahrzeugen besonders geeignet. Eine Elektrifizierung der eigenen Fahrzeugflotte wird so in den kommenden Jahren zu einer realistischen Option, den Fuhrparkbetrieb wirtschaftlicher zu gestalten. Darüber hinaus können mit einer solchen Umstellung Vorbild- und Imagewirkungen gegenüber Kunden erzielt werden. In ihrer heutigen Marktrolle als Verteilnetzbetreiber sind Stadtwerke und Regionalversorger auch unmittelbar von der Elektrifizierung der Mobilität betroffen. Die bestehenden Niederspannungsnetze sind strukturell nicht dafür ausgelegt, das zeitlich gehäufte Laden einer hohen Anzahl von E-Fahrzeugen (z. B. in den Abendstunden) zu gewährleisten. Als grundsätzliche, auszuarbeitende und betriebswirtschaftlich zu bewertende Lösungen dieses Problems kommen klassische Netzausbaumaßnahmen oder ein intelligentes Lademanagement, ggf. eingebettet in ein umfassendes Energiemanagement, infrage (vgl. dazu [2, 3]). Innovative Energiemanagementlösungen stellen Beispiele für neuartige Energiedienstleistungen dar. Für Versorger bestehen hier die Potenziale, ein Outsourcing an externe (IKT-)Dienstleister vorzunehmen oder selbst entsprechende Dienstleistungen anzubieten. Die Elektromobilität eröffnet den Energieversorgern daneben vielfältige weitere Möglichkeiten, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und zu realisieren. Zu denken ist hier zuvorderst an den Betrieb der notwendigen Ladeinfrastrukturen, der als isolierte Dienstleistung von unabhängigen Dritten (Nicht-Energieversorgern) derzeit nur schwer ökonomisch tragfähig vorstellbar ist (vgl. [4]). Aufgrund ihrer engen Verbindungen zu den Kommunen und dem öffentlichen Nahverkehr können lokale Energieversorger integrierte Mobilitätslösungen mit einer stärkeren Einbindung von E-Fahrzeugen mit entwickeln und gestalten. Neue Geschäftsmodelle werden zudem vor allem aus der Verbindung von Elektromobilität und Smart Grids hervorgehen: E-Fahrzeuge können als mobile Energiespeicher dazu beitragen, fluktuierende Erneuerbare Energien besser in die Energieversorgung einzubinden, die Lastprofile zu glätten und damit die Kosten der Energiebeschaffung zu senken. Inwieweit diese und andere Geschäftsmodelle erfolgreich sind, wird u. a. davon abhängen, ob und wie es gelingt, funktionsfähige Kooperationen entlang der neuen Wertschöpfungsarchitekturen aufzubauen. Neben dem Bemühen um eine zielgerichtete Gestaltung solcher Kooperationen ist Unternehmen anzuraten, das vorhandene betriebswirtschaftliche Instrumentarium auszunutzen, um Markttrends frühzeitig zu erkennen, proaktiv Kompetenzen und Handlungsspielräume aufzubauen sowie Geschäftsmodelle lebenszyklusorientiert und unter Einbeziehung der Perspektiven der anderen relevanten Marktakteure zu bewerten. Literatur
[1] KPMG International: KPMG’s Global Automotive Executive Survey 2011 – Creating a future roadmap for the automotive industry. Januar 2011, kpmg.com/automotive. |
Ausgabe η green 6 / 2011
Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe η green 6 / 2011.
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