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Solarteurin - Interview mit Bettina Nestler

Solarteurin - Interview mit Bettina Nestler

Lady like!

Der weltweite Photovoltaikmarkt wächst weiter und stellt im Zuge dessen besondere Herausforderungen an das Qualitätsniveau der installierenden Handwerksbetriebe. Nur nachhaltig geplante und korrekt montierte Photovoltaikanlagen dienen auch einer „nachhaltigen“ Energieversorgung. Ein Schlüssel zum Erfolg der Handwerksbetriebe ist sicherlich das Investment in das richtige Personal. ? green Solarteur Special sprach mit Photovoltaikinstallateurin Bettina Nestler aus Graz/AT über Aus- & Weiterbildung im Fachhandwerk, Kompetenzgewinn vor dem Endkunden... und die Fachfrau in einer Männerdomäne.

Sehr geehrte Frau Nestler, Sie sind Photovoltaikinstallateurin bei der Firma E1 Pfund Wärme und Energie GmbH in Graz/ Österreich – was hat Sie dazu bewogen, einen Beruf in einer männerdominierten Branche zu erlernen?

Eigentlich ganz einfach, es waren das reine Interesse und der Spaß an der Elektrotechnik. Und genau darum habe ich mich vor gut 12 Jahren entschieden, diesen Weg einzuschlagen und den Beruf des Elektroinstallateurs zu erlernen. Und was Männer können, das kann auch eine Frau.

Seit wann sind Sie nun im Auftrag der Erneuerbaren Energien unterwegs?

Erneuerbare Energien haben mich schon immer interessiert und vor gut drei Jahren wurde die Firma E1 Pfund gegründet, ein Unternehmen von Herrn Alfred Pfund, Inhaber und Geschäftsführer der Elektro-Pfund GmbH. Ich bin seit dem ersten Tag mit Spaß dabei. Zuerst in der Projekt- und Planungsabteilung, jetzt wieder in der Montagepraxis und ganz nah beim Kunden.

Das heißt, Sie waren erst im technischen Bereich aktiv, sind dann in den kaufmännischen Teil gewechselt und jetzt wieder zurück. Warum?

Schlicht und ergreifend aus Spaß am Beruf. Ich bin kein Mensch für reine Bürotätigkeiten, sondern Praktiker. Ich brauche den Kontakt zum Kunden, mir bereitet die Beratung unheimlich viel Freude und natürlich die Montage. Das hatte mir zuvor gefehlt.

Was sind die Themen, die Sie derzeit am meisten in Ihrer Alltagspraxis beschäftigen?

Aus- Weiterbildung ist hier ein elementarer Baustein. Wir in Österreich haben ja bereits ein offizielles Zertifikat, das zu Installationen von Solaranlagen berechtigt, ähnlich wie in Großbritannien MCS. Doch auch danach darf der Ausbildungsstand nicht stehenbleiben. Unser Geschäftsführer Herr Pfund ist sehr interessiert und trägt Sorge, dass alle Mitarbeiter regelmäßig geschult werden. Bis zu 12 Schulungen pro Jahr und Mitarbeiter stehen auf dem Programm. Nur so können wir als Installationsbetrieb einen hohen Qualitätsstandard bei Berechnung, Planung und Ausführung sicherstellen – letztendlich profitieren davon der Endkunde und wir von Empfehlungen. Gutes spricht sich herum und schlechte Leistungen auch. Das können und wollen wir uns nicht erlauben. Ergänzend fallen mir noch die nach wie vor zähen Anbindungsmodalitäten der verschiedenen EVUs bei Inbetriebnahme von Photovoltaikanlagen ein.

Was können die Hersteller von Modulen, Montagesystemen und Wechselrichter tun, um Ihr Tagesgeschäft besser zu unterstützen?

Da fällt mir ad hoc der Telefonsupport für Lösungen von Problemen ein. Hier sehe ich bis auf vereinzelte Oasen in der Servicewüste noch großen Nachholbedarf. Besonders ein deutscher Wechselrichterhersteller hatte uns hier jüngst ziemlich Nerven gekostet. Unser Problem wurde einfach nicht entsprechend kompetent bearbeitet. Wir hatten das Gefühl, wie Bittsteller am Tropf der Firma zu hängen und waren kurz davor, aufgrund der unzureichenden Hilfestellung unser Gesicht vorm Endkunden zu verlieren, das ist absolut inakzeptabel. Bei steigendem Absatz muss eben auch der Support entsprechend mitwachsen. Von daher werden wir auch unser Wechselrichterportfolio überdenken müssen. Wir stehen nun mit weiteren Herstellern im Gespräch.

Sind Sie ausschließlich im Bereich Photovoltaikanlagen aktiv? E1 Pfund bietet ja z.B. auch alternative Heiztechnik wie Pellets und Wärmepumpen an. Wie viel Kollegen arbeiten in Ihrem Unternehmen?

Ich bin Spezialist für Photovoltaikanlagen. Für den Bereich der Heiz- und Wärmetechnik hält unser Unternehmen eigene, dafür ausgebildete Fachkräfte vor. Insgesamt sind wir 75 Mitarbeiter.

Woher beziehen Sie Ihre Komponenten, aus Deutschland oder Österreich? Kaufen Sie direkt beim Hersteller oder gehen Sie über den Photovoltaikgroßhandel?

Wir kaufen in der Regel über den Photovoltaikgroßhandel in Graz ein. Uns ist wichtig, dass wir unseren Ansprechpartner vor Ort haben, der uns auch mit Rat und Tat zur Seite stehen kann und ggf. auch mal mit auf die Baustelle fährt. Mit Ausnahme vom Montagesystem, das beziehen wir aus Deutschland, direkt vom Hersteller. Qualität und ein ausgezeichneter Support waren hier ausschlaggebend, sodass wir hier ausnahmsweise unsere Linie verlassen haben.

Fragen Ihre Kunden eigentlich nach Produkten aus Österreich – es gibt ja im Prinzip Module, Montagesysteme und auch Wechselrichter aus Österreich?

Kurz: Ja, wir sehen schon, dass ein Teil der Kundschaft tatsächlich nach Produkten aus dem eigenen Land fragt. So zwischen 40 – 50 % der Kunden Fragen nach nationalen Produkten. Im Gros halten wir diese im Produktportfolio auch vor. Im Wechselrichterbereich ist es schon schwieriger, da wir 3-phasig einspeisen müssen und der bekannte Wechselrichterhersteller aus Wels hier aktuell kein Produkt für Österreich im Portfolio hat. Aber wir sind im Gespräch und würden uns freuen, unseren Kunden ein Qualitätsprodukt aus dem eigenen Land anbieten zu können.

Wie reagieren Sie, wenn ein Kunde konkret nach einem Produkt fragt, das Sie nicht im Portfolio halten?

Wir werden immer versuchen, die Wünsche des Kunden in unserer Berechnung und Planung zu berücksichtigen. Allerdings steht hier im Fokus – losgelöst vom Produkt –, die Anlage unter den gegebenen Voraussetzungen bestmöglich zu planen und umzusetzen. Hin und wieder kommt es dann einfach auch dazu, dass der Wunsch des Kunden aufgrund der Gegebenheiten nicht die beste oder sinnvollste Lösung ist. Dann zahlt es sich aus, eine gute Bedarfsermittlung und Beratung walten zu lassen. Der Kunde merkt dann rasch, dass man nicht auf das schnelle Geld aus ist, sondern einen kompetenten Ansprechpartner an der Seite hat, bei dem er gut aufgehoben ist.

Wie nehmen Sie den PV-Markt in Deutschland wahr und würden Sie eine offizielles Zertifikat für die Installation von PV Anlage in Deutschland ebenfalls begrüßen?

Ich denke, Deutschland ist nach wie vor der größte PV-Markt weltweit. Ein offizielles Zertifikat zur Sicherung der Planungs- & Montagequalität wäre hier absolut angebracht. Wir sehen natürlich, dass gerade aufgrund des Preisdrucks und des Reizes des schnellen Geldes Installationsfirmen aus Deutschland auch in unseren Markt drängen und hier teilweise PV-Anlagen zu Preisen anbieten und montieren, bei denen wir nur mit Kopfschütteln reagieren können. Nur Betriebe, die den schnellen Euro machen wollen, gehen solche Wege. Das geht nur mit schlecht geplanten und berechneten Anlagen. Hier ein Dachhaken weniger, dort ein unpassendes, aber billiges Montagesystem, die Statik des Daches nicht ordentlich berücksichtigt und schon habe ich ein wesentlich günstigeres Angebot erstellt. Ein Betrieb, der zertifiziert ist, der nachhaltig in die Schulung der Mitarbeiter, also in die Zukunft des eigenen Unternehmens investiert, der kann und darf auch nicht jeden Preis mitgehen. Durch ein offizielles Zertifikat, das zur Montage von Solaranlagen berechtigt, würde auch in Deutschland ein Teil der schwarzen Schafe aussortiert werden können. Denn schlecht geplant und umgesetzte Anlagen schaden der ganzen Branche, das gilt es zu vermeiden.

Beim Studieren der E1-Internetpräsenz ist mir aufgefallen, dass nirgends wirklich die Ökostromförderung als Anreizinstrument für den Verkauf von PV-Anlagen gezielt eingesetzt wird. Warum?

Im Gegensatz zum Markt Deutschland – die Förderung ist dort auf 20 Jahre festgeschrieben, bei uns nur auf 13 Jahre – steht bei uns und unseren Kunden nicht im Fokus: „mit PV verdienst Du Geld“; sondern wir wollen uns vielmehr vom Preisdiktat der klassischen Energiewirtschaft abkoppeln. Erneuerbare Energien sind für uns auch die Möglichkeit, nicht nur ökonomisch und ökologisch sinnvoll Energie umzuwandeln, sondern vielmehr uns energieautark zu machen. Kalkulierbare Energiekosten und somit Betriebskosten.

Wird in Österreich ebenfalls über den Eigenverbrauch diskutiert? Das ist ja eines der Schlüsselthemen in Deutschland.

Ja, genau dafür wurde ein neues Fördersystem aufgesetzt. Man bekommt bei unserer Eigenverbrauchslösung 0,18 Cent pro KW/h, muss aber mind. 80 % Eigenverbrauch generieren. Schafft man das nicht und muss einspeisen, bekommt man nur den Marktpreis in Höhe von 0,08 Cent. Um diesen Wert zu realisieren, benötigt man natürlich entsprechende Speicherlösungen, daran arbeiten wir gerade.

Gestatten Sie mir abschließend noch eine persönliche Frage, haben Sie eigentlich eine eigene PV-Anlage?

Ich bin gerade am Bauen meines Hauses und da ist selbstverständlich eine PV-Anlage fest mit eingeplant.

Vielen Dank für das Gespräch

Bettina Nestler ist gelernte Elektroinstallateurin und nunmehr 12 Jahre in der gewerblichen Branche aktiv. Seit 3 Jahren ist bei der Firma E1 Energie und Wärme GmbH in Graz/ Österreich beschäftigt. Zuerst als Projektleiterin, aber aus Liebe zum Installateurs-Beruf hat sie sich entschieden, wieder in den Bereich der Kundenberatung und PV-Montage zu wechseln.

Ausgabe η green 3 / 2011

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe η green 3 / 2011.
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