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Kommunales Engagement für Erneuerbare Energien
Kommunales Engagement für Erneuerbare Energien
Um Energie kommt keine Kommune herum: Öffentliche Gebäude wie Schulen und Sporteinrichtungen benötigen Strom und Wärme, Industrie- und Wohngebiete müssen zuverlässig versorgt werden. Nach Angaben des Deutschen Städte- und Gemeindebunds kostet die Wärme- und Stromversorgung der kommunalen Liegenschaften in Deutschland jährlich rund 2,5 Milliarden Euro. Tendenz steigend. Nils Boenigk erklärt, weshalb immer mehr Städte und Gemeinden auf erneuerbare Energien setzen und stellt zwei erfolgreiche Beispiele für kommunales Engagement im Bereich der erneuerbaren Energien vor.
Neustrelitz: Heizen mit Holz
Die Neustrelitzer Bürger beziehen den Großteil ihrer Wärme aus erneuerbaren Energien. Über 80 Prozent der Wärme wird mit einem Biomasse-Heizkraftwerk für die rund 22.000 Einwohner gewonnen. Ausschlaggebend für den Bau waren nicht allein die positiven Auswirkungen für die Umwelt. Das Biomasse-Heizkraftwerk war von Anfang an so konzipiert, dass es sich rechnet. „Das war eine Frage des Überlebens für unser Fernwärmenetz“, sagt Bernd Haase, Betriebsleiter der Stadtwerke Neustrelitz, die zu 100 Prozent der Stadt gehören. Entscheidend für die Planung und den Bau des großen Biomasse- Heizkraftwerks waren die steigenden Erdöl- und Erdgaspreise. Die Stadtwerke konnten die Kunden nur dauerhaft an das Fernwärmenetz binden, wenn die Preise stabil blieben. Angesichts der hohen Preise bestand die Gefahr, dass Kunden sich reihenweise vom Wärmenetz abkoppelten und selbst Heizungen installierten. Und je weniger Kunden am Fernwärmenetz hängen, desto größer wird das Defizit. Die Stadtwerke Neustrelitz mussten handeln.
Das Biomasse-Heizkraftwerk Neustrelitz
Im November 2005 ging das neue Biomasse-Heizkraftwerk ans Netz. Bereits ein Jahr nach der Fertigstellung konnten die Preise für die Kunden wieder gesenkt werden. Auch 2008 und 2009 blieb der Wärmepreis niedriger. Die an das Fernwärmenetz angeschlossenen rund 15 400 Einwohner, Betriebe und Einrichtungen sparten im Jahr 2008 im Vergleich zur Nutzung von Erdgas insgesamt 480.000 Euro ein. „Mit dem Biomasse-Heizkraftwerk können wir Unternehmen eine kalkulierbare Entwicklung der Energiekosten garantieren. Ein großer Standortvorteil für Gewerbeansiedlungen“, betont Haase. Die Baukosten beliefen sich auf 17,6 Millionen Euro. Davon wurden vom Land Mecklenburg-Vorpommern Fördermittel von rund zwei Millionen Euro bereitgestellt. Die Amortisationszeit des Biomasse-Heizkraftwerks geben die Stadtwerke mit acht Jahren an. Neben 63 Millionen erzeugten Kilowattstunden Wärme erzeugt das Kraftwerk auch noch 45 Millionen Kilowattstunden Strom jährlich. Die Unabhängigkeit der Holzenergie von Energiekrisen, die regional im ausreichenden Maße vorhanden ist, garantiert die Wirtschaftlichkeit des Biomasse-Heizkraftwerks. In der Anlage werden ausnahmslos Hackschnitzel aus unbehandeltem Holz verbrannt. Die verwendeten Holzreste bestehen aus Waldrestholz, das bei der Durchforstung in den umliegenden Wäldern anfällt. Zur Strom- und Wärmeproduktion werden jedes Jahr 85.000 Tonnen Hackschnitzel benötigt. Das entspricht zehn LKW-Ladungen am Tag. „Zu Beginn hatten wir nur drei Zulieferer. Heute sind es schon fünfundzwanzig“, stellt Haase fest.
CO2-neutraler Brennstoff Holz
Neben den wirtschaftlichen Vorteilen profitiert auch das Klima von der erneuerbaren Wärme: Die Verbrennung von Holz erfolgt CO2- neutral, da lediglich so viel Kohlendioxid freigesetzt wird, wie der Baum im Laufe seines Wachstums aus der Atmosphäre aufgenommen hat. Die CO2-Einsparung durch das Neustrelitzer Holzkraftwerk liegt bei 14.500 Tonnen pro Jahr. Dies entspricht den CO2- Emissionen aller Neustrelitzer PKW.
Wildpoldsried: Bürgerwindpark in Bayern
Die Windenergie gehört in der Allgäuer Gemeinde schon seit Jahren zum gewohnten Erscheinungsbild. Sonnenkollektoren und Photovoltaikanlagen schmücken viele Dächer im Ort, die Bauern füttern Biogasanlagen mit heimischer Biomasse und drei kleine Wasserkraftwerke liefern regelmäßig Strom. So leisten alle erneuerbaren Energien im Zusammenspiel genug Strom für eine regenerative Vollversorgung. „Klimaschutz in der Praxis kann nur mit den Bürgern und nicht gegen sie umgesetzt werden. Er kann nur mit Begeisterung und Überzeugung, nicht mit Zwang funktionieren“, stellt der Bürgermeister Arno Zengerle, Betreiber einer Wasserkraftanlage, fest. Unterm Strich erzeugen die erneuerbaren Energien in Wildpoldsried über 350 Prozent des Stroms, den die Gemeinde verbrauchen kann. Über die Hälfte des üblichen bundesdeutschen Pro-Kopf-Ausstoßes an CO2 sparen die Wildpoldsrieder mithilfe der erneuerbaren Energien ein.
Power to the people
Begonnen hat alles mit einer Hand voll engagierter Bürger vor Ort. Gemeinsam mit 30 Nachbarn und Freunden gründete der Landwirt Wendelin Einsiedler im Jahr 1999 eine Bürgergesellschaft. Ziel war es, mit Windenergie Geld zu verdienen und die Umwelt zu schonen. Die Gesamtinvestitionen der ersten beiden Windräder lagen damals bei ungefähr 2,2 Millionen Euro. 25 Prozent der Investitionssumme brachten die Bürger von Wildpoldsried auf. Ein Investitionszuschuss von 100.000 Euro kam vom Land Bayern. Der große Rest konnte dank der Vergütungssicherheit durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) über Banken finanziert werden. Das Projekt erwies sich schließlich als so erfolgreich, dass die Bürger im Jahr 2002 weitere Windräder aufstellten. Heute sind über 180 Bürger an Windkraftanlagen beteiligt. „Nur durch erneuerbare Energien können wir unseren Wohlstand und Komfort gegenüber der Schöpfung und den nächsten Generationen verantworten“, erklärt der Initiator des Bürgerwindparks, Wendelin Einsiedler. Die Gemeinde profitiert direkt von den erzielten Gewerbesteuern, die jährlich bei mehr als 30.000 Euro liegen. Der Erfolg des Projektes blieb nicht lange unbemerkt. Die angrenzende Nachbargemeinde hat inzwischen ebenfalls mehrere Windräderaufgestellt.
Die ganze Gemeinde ist im Erneuerbaren-Energien-Fieber
Neben der Windkraft gibt es weitere zahlreiche Erneuerbare-Energien- Anlagen im Ort. Mit der persönlichen Erfahrung der Bürger stieg auch die Akzeptanz. Die Windkraft löste einen regelrechten Schub für die Nutzung erneuerbarer Energien aus. Unterstützt wird diese Entwicklung vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu. Dieses Zentrum bietet regelmäßige Sprechstunden an, in denen sich alle Bürger kostenlos von Beratern informieren lassen können. Die Kosten für die Beratungsstunden trägt die Gemeinde. Eine Vielzahl von Privathäusern haben mittlerweile Solarkollektoren und Photovoltaikanlagen. Dies wurde durch drei „Wildpoldsrieder Solaraktionen“ unterstützt. Die Bürger schlossen sich zusammen und bestellten Solaranlagen in großer Stückzahl. Das senkte den Einkaufspreis und steigert das Zusammengehörigkeitsgefühl im Ort. Die Gesamtleistung der Anlagen liegt momentan bei 2750 KilowattPeak. Alle kommunalen Dachflächen wie Feuerwehrhaus, Bauhof, Turnhalle und weitere Gebäude nutzen die Sonnenenergie für die Stromerzeugung. Das bringt der Gemeinde zusätzliches Geld in die Kasse. Die Anlagen werden teilweise von Vereinen betreut, die wiederum einen Teil der Erlöse für ihre Arbeit, insbesondere bei der Jugendbetreuung, einsetzen.
n.boenigk@unendlich-viel-energie.de
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