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Erneuerbare Energien als Standortvorteil

PV-Lärmschutzwand

Als im Jahr 2008 die Planung für das neue Industriegebiet Wallersdorf Nord anstand, wurden seitens der Gemeinde in Niederbayern eindeutige Weichen gestellt: Bereits in den Festlegungen zum Bebauungsplan wurde der Planungsschwerpunkt auf die Versorgung der ansiedelnden Gewerbebetriebe mit Erneuerbaren Energien gelegt. Dr. Christian Epp erläutert die Vorteile der nun neu eingeweihten PV-Lärmschutzwand.

Die Entscheidung für regenerative Energien wurde dadurch erleichtert, dass sich die Region bereits zu einer Vorreiterregion für Erneuerbare Energien entwickelt hatte. Nirgendwo sonst in Deutschland findet man eine solche Dichte an Solaranlagen, Biogas- Fermentern und Biomasse- Heizwerken als in der Region um Regen, Isar und Donau. Das neue Industriegebiet ist ein Filetstück, direkt an der Ausfahrt Wallersdorf Nord an der A92 gelegen. Aus der Ferne grüßen die Berge des Bayerischen Walds, bis zum Flughafen München ist es von hier weniger als eine Stunde Fahrtzeit, zum Donauhafen in Deggendorf weniger als eine halbe. Das Areal ist mit 28 Hektar sehr weitläufig und erlegt den ansiedelnden Betrieben weder in der Nutzungsart noch in der Parzellengröße wesentliche Einschränkungen auf. Nun, drei Jahre später, konnte in Wallersdorf das Erreichen eines wichtigen Etappenziels gefeiert werden. In einer feierlichen Einweihungsfeier bekam die PV-Lärmschutzwand, die in Zukunft das Gewerbegebiet vom Lärm der angrenzenden Autobahn abschirmen wird, den kirchlichen Segen. Mit diesem Projekt konnte der Projektentwickler, die Firma CUSTOS Immobilien, in verschiedener Hinsicht Neuland beschreiten. Zunächst hat das patentgeschützte technische Konzept die Investitionskosten konsequent minimiert: Bei der PV-Lärmschutzwand leisten die PV-Module und deren Unterkonstruktion selbst den Lärmschutz. Zugleich wurde darauf geachtet, dass Ausrichtung und Modulbelegung einen größtmöglichen Stromertrag ermöglichen. Die 7200 m2 große Oberfläche der Wand ist vollständig mit kristallinen Modulen belegt, die fast optimal zur Sonne ausgerichtet sind. Der dadurch mögliche Stromertrag 1017 kWh/kWp rechnet sich die Anlage für die Investoren ohne jeden öffentlichen Zuschuss.
Dies imponierte auch Bundesstaatssekretär Dr. Andreas Scheuer, der als Ehrengast bei der Einweihung dabei war. „Mithilfe der Photovoltaik kann der dringend erforderliche Lärmschutz auch in Zeiten leerer kommunaler Kassen finanziert werden“, betonte der Politiker in seiner Ansprache. Landrat Heinrich Trapp ging in seiner Ansprache auf die verschiedenen Anforderungen ein, die bei der PV-Lärmschutzwand in Einklang zu bringen sind. Neben Fragen des Landschaftsschutzes muss die Lärmschutzwand, die nur 11 Meter vom Fahrbahnrand der A92 entfernt errichtet wurde, auch die Anforderungen der Verkehrssicherheit auf der Autobahn berücksichtigen. Dies ist in Wallersdorf durch einen gemeinsamen Planungsprozess zwischen der Autobahndirektion, den Regionalbehörden und den Entwicklern in vorbildlicher Weise gelungen. In einer einvernehmlichen Lösung wurden die südlich der Anlage befindlichen Bäume durch Neuanpflanzungen auf der Nordseite ersetzt. Der mit Büschen bestandene Grünstreifen wurde erhalten, um Blendwirkungen für den Straßenverkehr durch die PV-Module auszuschließen.

Deckung des Energiebedarfs

Die PV-Lärmschutzwand wird ihren jährlichen Stromertrag von ca. 1000 MWh zunächst in das öffentliche Netz einspeisen. Später wird der erzeugte Strom den sich ansiedelnden Gewerbetreibenden zur Verfügung gestellt. Die Anlage ist aber nur eines der Projekte, um allen Gewerbetreibenden eine vollständige Deckung ihres Energiebedarfs aus regionalen und Erneuerbaren Energiequellen anzubieten. In den Vermarktungsgesprächen in den letzten Monaten ist uns bewusst geworden, was für einen wichtigen Standortfaktor für viele Gewerbebetriebe die dauerhafte Sicherung einer günstigen Energieversorgung darstellt. Die knapper werdenden fossilen Energiequellen, aber auch die erwarteten Kosten für die Energiewende in Deutschland haben viele Unternehmen verunsichert. Eine Entscheidung für eine „grüne“ Energiealternative ermöglicht es den Firmen, nicht nur von dem außerordentlich positiven Image der erneuerbaren Energien in ihrer eigenen Öffentlichkeitsarbeit zu profitieren. Die Neugestaltung der Energieversorgung bietet auch erhebliche Kosteneinsparungspotenziale. Denn die grüne Energie aus Niederbayern ist bereits heute in den
meisten Fällen günstiger als eine konventionelle Energieversorgung – eine Tendenz, die sich in den nächsten Jahren noch verstärken wird. Um kostengünstig Wärme bereitstellen zu können, wird vor allem auf die Nutzung von Abwärme aus den Biomasse- Kraftwerken der Region gesetzt. Direkt angrenzend an das Industriegebiet geht in diesen Tagen eine Hackschnitzel ORC-Anlage in Betrieb, die dem Industriegebiet bis zu 10 MW Abwärme rund um die Uhr liefern kann. „Es wäre wirtschaftlich komplett unsinnig für ein Unternehmen, bei diesen Rahmenbedingungen einen eigenen Öloder Gaskessel aufzustellen“, glaubt Alois Apfelböck, der als leitender Ingenieur das Energiekonzept erarbeitet hat. „Ganz im Gegenteil, vielmehr ist unsere Möglichkeit den Unternehmen dauerhaft günstige Energie zu liefern ein ganz wichtiger Wettbewerbsvorteil“. Das scheinen einige Betriebe ebenso zu sehen. Die ersten Parzellen im neuen Solar-Industriepark in Wallersdorf sind bereits verkauft.

Ausgabe η green 5 / 2011

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe η green 5 / 2011.
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