19.05.2012 06:04 - Über uns - Mediadaten - Impressum & Kontakt - succidia AG - Partner
Autoren & Institute > Dipl.-Ing. Jan Bachmann > Forschungsplattform FINO3

Forschungsplattform FINO3

Offshore-Wind in Deutschland lässt weiter auf sich warten. Ungeklärte Verfügbarkeiten von Windenergie- Anlagen, Installationsgerät und die Ungewissheit, ob die „Steckdose auf dem Meer“ vom Netzbetreiber rechtzeitig bereitgestellt wird, sind klare Wachstumshemmer. Aber auch die großen technischen Risiken bremsen den Elan von Investoren und damit die Realisierung vieler Parkprojekte.

Die Forschungsplattform FINO3 und das Testfeld Alpha-Ventus sollen die Entwicklung der Offshore-Windenergie fördern. Die späteren Messungen der zahlreichen wissenschaftlichen Projekte sollen die technischen und ökologischen Risiken erfassen und damit sowohl die Basis für eine wirtschaftliche Auslegung der Anlagen deutlich verbessern als auch wichtige Erkenntnisse für die Genehmigungsbehörden liefern. Bereits die Erfahrungen bei Planung und Ausschreibung, bei der Gestaltung von Vertragswerken und nicht zuletzt bei Bau und Betrieb dieser Vorhaben sind wertvolle Indikatoren für die Zukunftsaussichten von Offshore-Wind.
Die in 2008 fehlgeschlagenen Versuche der Offshore-Installationen bei beiden Projekten sprechen eine deutliche Sprache ob der Herausforderungen allein in der Bauphase. Diese sind ohne erfahrenes Personal, sorgfältigste planerische Vorbereitung, das für die jeweilige Anwendung optimierte Gerät und ein „Quäntchen Glück“ mit dem Wetter kaum zu meistern. Die Fehlschläge des letzten Jahres sind allerdings großenteils auf Umstände zurückzuführen, die mit schlechtem Wetter nur wenig zu tun hatten.
Angesichts der exorbitanten Kosten der Installationseinheiten, scheint es eine Frage simplen Risikomanagements, jeden Planungsaufwand zu treiben, um etwaige Probleme bei den Seeoperationen früh zu antizipieren und die Abläufe zu optimieren. Hier kann z.B. die Nutzung der Netzplantechnik oder, bei größeren Projekten, der Simulation sinnvoll sein. Allerdings brauchen die Ingenieure auch dafür den Bezug zur Praxis. Offshore-Erfahrungen anderer Nationen und anderer Wirtschaftsfelder wie Öl und Gas oder der Schifffahrt sollten daher genutzt werden, um fehlende eigene Kompetenz der jungen deutschen Branche kompensieren zu können. Hier gab es in der Vergangenheit Versäumnisse, die im FINO3-Projekt zu einer Eskalation führten :

Nach der Rammung des FINO3-Gründungspfahls im Juli 2008 war die Montage u.a. wegen anderweitiger Gerätebindung abgebrochen worden. Zwei weitere Anläufe des Generalübernehmers scheiterten an mangelnder Eignung der gecharterten Geräte, an Fehleinschätzungen der Bauleitung vor Ort und an allgemein schlechter Vorbereitung dieser entscheidenden Phase des Projektes. Dass die Nordsee im Oktober nicht beständig mit Wellenhöhen unter einem Meter aufwartet, sollte selbst Laien nicht überraschen, dennoch war die Baufirma statt mit der vereinbarten Hubinsel hier lediglich mit einer Barge erschienen, die nur unterhalb dieser Grenzen arbeiten konnte. Anschließend nahm der Generalübernehmer entgegen vertraglicher Regelungen das „schlechte“ Wetter zum Anlass, Mehrforderungen in Millionenhöhe zu stellen, deren Anerkenntnis er zur Fortführung der Arbeiten voraussetzte. Gleichzeitig wurde durch den Auftraggeber die Kündigung des Auftrags vorbereitet, die aber zwangsläufig zu einer erheblichen Verspätung der Fertigstellung geführt hätte.
In einem Mediationsverfahren unter Beteiligung der Zuwendungsgeber, des Landes Schleswig-Holstein und des Bundesumweltmisteriums, wurde dann der Weg geebnet, um das Projekt doch gemeinsam zum Ziel führen zu können. Die Seemontage der dritten FINO-Plattform wird demnach im Juni 2009 fortgesetzt und nach planmäßiger Fertigstellung soll FINO3 noch im Folgemonat durch den Auftraggeber übernommen und betrieben und somit der Forschung zur Verfügung gestellt werden.
Das Forschungs- und Entwicklungszentrum Fachhochschule Kiel GmbH versteht sich als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und bietet als Betreiber der Plattform allen interessierten Einrichtungen, insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen, umfangreiche Unterstützung bei der Beantwortung ihrer offshore-spezifischen Fragestellungen und der Entwicklung und Erforschung neuer Technologien an.

jan.bachmann@fh-kiel-gmbh.de

Ausgabe η green 1 / 2009

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe η green 1 / 2009.
Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download

Der Autor: