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Profit für Kommunen durch Ausbau der Erneuerbaren Energien

Kommunen können den Ausbau der Erneuerbaren Energien in großem Maße vorantreiben und gleichzeitig auch in relevantem Umfang davon profitieren, denn bisher importierte Energierohstoffe oder Endenergien werden durch heimische Energiequellen, Technologien und Dienstleistungen ersetzt. Dadurch werden nicht nur klima- und andere umweltrelevante Emissionen vermieden, sondern auch Einnahmen durch Steuern sowie Einkommen und Gewinne in der Kommune generiert, wie Dr. Astrid Aretz und Dr. Bernd Hirschl ausführen.

Wenn eine Windkraftanlage in einer Kommune installiert wird, kann die Kommune selbst in großem Maße davon profitieren. Auch wenn die Anlage an einem anderen Ort gefertigt wurde, sind für die Errichtung und den Betrieb der Anlage viele Wertschöpfungsschritte erforderlich, durch die Geld in die Kommunalkasse fließen kann. Viele dieser Wertschöpfungsschritte werden durch kommunal ansässige Akteure vorgenommen, die Gewinne generieren und Arbeitsplätze und damit Einkommen schaffen, die zwar nicht direkt der Kommunalkasse zugutekommen, aber die Kaufkraft der Bürgerinnen und Bürger erhöhen. Zudem führen die Beschäftigten und Unternehmen Steuern ab, die zum Teil direkt in die Kommunalkasse fließen. Relevant sind hier vor allem die Gewerbe- und Einkommensteuer. Doch eine Methode zur genauen Quantifizierung der Effekte lag bislang nicht vor. Mit einer Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und Zentrums für Erneuerbare Energien (ZEE) im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) wurden diese Effekte erstmalig systematisch für alle EE-Sparten anhand von 16 Technologien ermittelt. Für die Analyse wurde ein Bottom-up-Ansatz gewählt, der spezifisch für ein Kilowatt installierter Leistung einer EE-Anlage für alle einzelnen Wertschöpfungsstufen die jeweiligen Gewinne der Unternehmen, die Einkommen der dadurch Beschäftigten sowie die Steuern an die Kommune ermittelt. Damit steht nun auch ein Werkzeug zur Verfügung, das es Kommunen ermöglicht, mit Kenntnis der vor Ort ansässigen Unternehmen und deren Umsätze sowie der installierten Leistung der jeweiligen EE-Anlagen und vor dem Hintergrund der Eigentümerstruktur die Wertschöpfung zu quantifizieren.

Unterschiedliche Wertschöpfungseffekte

Dabei zeichnen sich die verschiedenen EETechnologien durch unterschiedliche Wertschöpfungseffekte aus. Um eine Vergleichbarkeit zwischen den Technologien herzustellen, werden die für die Leistungseinheit kW ausgewiesenen Daten auf die jeweils erzeugte Energiemenge umgerechnet. Für die Umrechnung der auf die Leistung bezogenen Wertschöpfungseffekte wurden durchschnittliche Volllaststunden für die jeweiligen Technologien und Anlagengrößen gewählt. Die Abbildung 1 zeigt die Ergebnisse für die Strom erzeugenden Anlagen im Vergleich – differenziert nach den vier zentralen Wertschöpfungsstufen „Investition“, „Planung, Installation etc.“, „Betriebsführung“ und „Betreibergesellschaft“. Daneben wurde noch als 5. Stufe der Handel mit Altanlagen betrachtet, der nur bei Repowering relevant ist und auf den nur marginale Anteile entfallen. Es zeigt sich, dass für das betrachtete Jahr 2009 die Photovoltaik-Anlagen als teuerste Technologie auch am meisten Wertschöpfung pro kWhel (in Höhe von 14–19 € ct.) generieren. Davon entfällt etwa ein Fünftel auf die Produktion, d.h., auch wenn die Anlage nicht in der Kommune selbst oder im Ausland produziert wird, bleibt der größte Teil der kommunalen Wertschöpfung einer kWh Solarstrom aus den Stufen Installation, Planung und Betreibergesellschaft im Lande – und möglicherweise in der Kommune, in der die Anlage steht. Alle anderen betrachteten Anlagen weisen ungefähr vergleichbar große kommunale Wertschöpfungen pro kWh auf. Dabei liegen die Biomasseanlagen leicht vor den Biogasanwendungen und der Windenergie. Bei den Bioenergieanlagen ist zusätzlich hervorzuheben, dass es sich hierbei um KWKAnlagen handelt, die neben dem Strom auch Wärme bereitstellen können. Die größten Anteile der kommunalen Wertschöpfung weisen bei allen Technologien die Einkommen und die Gewinne auf, an dritter Stelle folgen mit Abstand jeweils die Steuern. In Bezug auf die Wertschöpfungsstufen hat die Betreibergesellschaft, die die Ausschüttung an die Eigenkapitalgeber vornimmt, den größten Anteil an der gesamten Wertschöpfung, teilweise gefolgt von der Stufe Investition (z.B. bei der Photovoltaik), teilweise von der Stufe der technischen Betriebsführung (z.B. bei Windkraft Onshore oder Biomasse-Großanlagen). An letzter Stelle steht zumeist die Stufen Planung und Installation.
Dies verdeutlicht die Bedeutung der unterschiedlichen Dienstleistungen von der Planung und Installation über den Betrieb der EE-Anlagen. Während die Produktion zumeist zentralere Strukturen aufweist und somit in der Regel eine durchschnittliche Kommune nicht davon profitiert, sind die vielen Dienstleister überwiegend dezentral ansässig und bieten die Chance für Kommunen, ihre Wertschöpfung zu steigern. Ebenso steigern die Mit-Eigentümer von EE-Anlagen, die durch ihre Beteiligung Gewinnegenerieren, die kommunale Wertschöpfung.

Hochrechnung für Deutschland im Jahr 2009

Anhand der installierten Leistung der einzelnen EE-Technologien wurden die spezifischen Ergebnisse auf die Bundesebene hochgerechnet, d.h. die Wertschöpfung ermittelt, die in allen Kommunen in der Gesamtheit generiert wurde. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass diese Summenwerte nicht in allen Fällen die gesamte EE-Sparte umfassen.
Beispielsweise wurde im Rahmen der Studie nur die kleine Wasserkraft betrachtet und bei der Biomasse sind z.B. die Kleinfeuerstätten nicht mit betrachtet. Aus diesem Grund ist die ermittelte kommunale Wertschöpfung als unterer, konservativer Wert anzusehen. In Summe wurde im Jahr 2009 in den deutschen Kommunen 6,8 Mrd. Euro Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien generiert. Dieses Ergebnis ist zu 36 % auf die Photovoltaik (2,4 Mrd. Euro) und zu 30 % auf die Windkraft (2 Mrd. Euro) zurückzuführen. Mit deutlichem Abstand folgen die anderen EE-Technologien.
In Summe tragen die verschiedenen Biomassenutzungen mehr als 1,6 Mrd. Euro bei, die feste Biomasse ebenso wie Biogas und die Biokraftstoffe jeweils etwas mehr als eine halbe Mrd. Euro bzw. je 8 % der gesamten ermittelten Wertschöpfung. Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass bei der landwirtschaftlichen Biomasse der gesamte Anbau und die Bereitstellung der Biomasse mnicht miteinbezogen wurde, da davon auszugehen ist, dass der Landwirt im Regelfall einen alternativen Anbau tätigen würde, mit dem er eine vergleichbare Wertschöpfung erzielen könnte. Die Solarthermie erzielte eine Wertschöpfung in Höhe von 350 Mio. Euro, die Wärmepumpen 250 Mio. Euro. Die geringste kommunale Wertschöpfung wurde mit 30 Mio. Euro für die kleine Wasserkraft ermittelt. Insgesamt wurden durch die hochgerechneten kommunalen Wertschöpfungseffekte im Jahr 2009 116.000 direkte Vollzeitbeschäftigungen geschaffen. Am beschäftigungsintensivsten war dabei mit einem Anteil von 39 % an dieser Gesamtsumme die Photovoltaik mit 46.000 Beschäftigten, gefolgt von der Windenergie mit 20 % bzw. 23.000 Beschäftigten.

Entwicklung der Wertschöpfung 2009 bis 2011

Die hohen Zuwachsraten in einzelnen EE-Sparten lassen einen Anstieg der kommunalen Wertschöpfung für das Jahr 2010 vermuten. Anhand von Branchenprognosen wurden auch für die Jahre 2010 und 2011 Abschätzungen über die Entwicklung der kommunalen Wertschöpfung vorgenommen. Über die Hälfte entfällt aufgrund der enormen Steigerungsraten im Jahr 2010 voraussichtlich auf die Photovoltaik, deren kommunale Wertschöpfung sich mit erwarteten 5,8 Mrd. Euro mehr als verdoppeln wird. Gemäß der gegenwärtigen Prognosen wird dieser Wert in 2011 wieder auf 3,9 Mrd. Euro zurückfallen. Dennoch liegt die gesamte Wertschöpfung in 2011 mit 9 Mrd. Euro knapp 60 % über dem Wert von 2009 und hat einen Anteil an der gesamten kommunalen Wertschöpfung von 43 %.
Interessant ist hier die Verschiebung der Anteile der vom Zubau abhängigen Wertschöpfungsstufen (Investition und Planung, Installation etc.) im Vergleich zu den betriebsbezogenen Wertschöpfungsstufen (Betriebsführung und Betreibergesellschaft). Hier wächst der Anteil der zubauabhängigen Wertschöpfungsstufen von 66 % in 2009 auf einen Anteil von 82 % in 2010, in 2011 sinkt er wieder auf ca. 60 %. Dieses Verhältnis ist anders bei der Windenergie (Onshore), der zweitwichtigsten Technologie in Bezug auf die kommunale Wertschöpfung. Insgesamt nimmt die Wertschöpfung in 2010 von ca. 2 auf 2,2 Mrd. Euro zu und bleibt in 2011 annähernd konstant. Gemäß der Zubauentwicklung steigt dabei der Anteil der beiden ersten, zubaurelevanten Wertschöpfungsstufen (Investition und Planung, Installation etc.) an der gesamten Wertschöpfung durch diese Technologie nur leicht von 32 % in 2009 auf 34 % in 2010, sinkt dann entsprechend dem erwarteten reduzierten Ausbau auf 29 % in 2011.

Weitere Infos zur Studie unter www.ioew.de

astrid.aretz@ioew.de

Ausgabe η green 6 / 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe η green 6 / 2010.
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